vergeben
Du kannst die Tage zählen, die Stunden und Minuten bis zu dem Zeitpunkt, als dein Leben aus den Fugen geraten ist. Du erinnerst dich an den Schmerz, der deinen Körper sich schütteln ließ, doch nicht aufgrund der
Infektion. Es war das schiere Verbrennen von innen, das dich in ein neues Leben brachte, an das du dich erinnerst, mit jeder Faser deines Körpers. Du kannst die Wochen und Monate voller Einöde, Langeweile und innerem
Zwiespalt zählen, bis zu den Sekunden, die es gebraucht hat, dass sich dein ganzes unsterbliches Leben auf links krempelte. Du kannst die endlos langen Wimpern an ihren Augen zählen, wenn du ihrem Blick begegnest und andere haben das Zählen längst aufgegeben, wenn du ihr eines deiner bislang seltenen Lächeln schenktest. Dein Leben verläuft immer und immer wieder so ganz anders, als du gedacht hättest. Unerwartete Wendungen hinter jeder Ecke, neue Bekanntschaften, neue Freundschaften und Feindschaften für ein unendlich langes Leben. Du bist noch jung, so jung, ein Wimpernschlag in den Möglichkeiten der
Vampir:innen und hast doch den Großteil damit verbracht, dich in Selbstmitleid zu suhlen, deiner Seele nachzutrauern, einem Leben, das kaum wirklich lebenswert sondern nur zum Tode verurteilt war. Jetzt ist alles anders; niemand hatte es kommen sehen, nicht Alice, nicht du. Eure Gaben machen euch zu etwas Besonderem, du bist
etwas Besonderes, doch alles was du siehst, ist die pure und uneingeschränkte Perfektion derer, die dein Leben formen. Du bist ein
Cullen, Teil eines Zirkels, einer Familie, die du mit Leib und Leben schützen würdest. Wo vor Jahren noch Trübsal und seelische Einsamkeit vorherrschte, steht jetzt bedingungslose Liebe. Du hast den Sinn gefunden, nach dem andere Jahrhunderte suchen. In deiner
Frau, in deiner
Tochter, in all denen, die dir eine
Familie sind.